T-Shirt Workshop – Teil 1

T-Shirt Workshop – Teil 1

Trockene Theorie zu lernen ist das Eine, doch ersetzt diese in der Regel keine Erfahrungen. Diese Workshopserie soll diese Lücke etwas schließen. Anhand einer Beispielband soll der ganze Prozess von der Idee Merch anzubieten bis zum Verkauf beim Konzert geschlossen werden. Es werden nicht in jedem Bezug bis ins letzte Detail alle Möglichkeiten besprochen (dafür sind die einzelnen Artikel da), sondern es werden zugeschnitten auf eine typische kleine Band die ersten Gehversuche beschrieben. Die Tutorials werden zudem durch diese Beispiele etwas plastischer und nachvollziehbarer. Dieses Beispiel soll auch einen Weg aufzeigen, wie man Probleme aus dem Weg räumen kann, also wundert euch nicht, wenn die Mitglieder der Band ab und an ein mustergültiges Verhalten an den Tag legen, welches Musiker in der freien Wildbahn oft vermissen lassen – es ist ja auch eine Beispielband in einem T-Shirt Workshop!

Ich spare es mir dann auch mal lange Vorreden zu halten und tauche direkt ein:

Es lebe “Loudest Monkeys”

Als Beispiel soll für diesen Kurs die kleine Rockband Loudest Monkeys dienen. Sagen wir mal, dass die Jungs aus Bochum kommen und ein halbes Jahr zusammen Musik machen. Andy ist der Sänger und spielt Lead-Guitar. Markus ist an der Rhythmusgitarre, Stefan am Bass und Daniel sitzt hinter der Schießbude. Die Vier sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Andy hat einen Bürojob, Markus und Stefan studieren und Daniel ist KFZ Mechaniker. Markus jobbt nebenbei in einer Kneipe. Eine typische Band also, bei denen alle unterschiedliche Backgrounds und unterschiedlich viel Geld haben. Stefan bekommt zwar finanzielle Hilfe durch die Eltern fürs Studium, doch darüber hinaus sitzt bei ihm das Geld nicht ganz so locker, wie z.B. bei Daniel oder Andy.

Musikalisch passen die Jungs prima zusammen, sie haben ein gutes Duzend fertige Songs und so langsam machen sie sich auch Gedanken über regelmäßige Konzerte. Ein Konzert, bei dem sie die Vorgruppe für eine befreundete Band aus Lünen gemacht haben, ist bei fast vollem Haus auch recht gut angekommen.

…was ist mit Shirts?

Bei einem Gespräch über Konzerte brachte Daniel dann auch das Thema Merch zur Sprache. Daniel ist vom Typ der klassische Rockfan und für ihn ist Rock pures Lebensgefühl. Eine Band hat in seinen Augen einfach Shirts zu haben, die an den Fans mit der Zeit langsam altern und einen Vintageflair verbreiten. Andy war von der Idee auch sofort begeistert, wobei sein Antrieb ein etwas anderer war. Er ist eine Rampensau und eine extrovertierte Persönlichkeit, die es liebt im Rampenlicht zu stehen. Einen auf dicke Hose zu machen ist für ihn völlig normal, wodurch Shirts mit dem eigenen Namen drauf für ihn primär Egofutter sind. Markus findet es für Shirts etwas früh. Er würde lieber noch ein paar Konzerte spielen und sehen wie sich alles entwickelt. Er macht aber auch klar, dass er sich der Gruppenentscheidung anschließt. Lediglich Stefan ist, was Shirts angeht, eher skeptisch. Er hat Bedenken bezüglich der Kosten.

Was darf das kosten?

Die Diskussion geht lange hin und her und zur nächsten Probe bringt Daniel mal ein paar Zahlen mit. Wenn sie etwas mehr investieren würden, wäre da ein Angebot für 100 Shirts zu € 450.- mit einem weißen Druck auf Schwarz und eines für 50 Shirts zu € 250.- bei gleichen Farben. Er hat zwar noch Angebote für Shirts mit mehr Druckfarben dabei, doch für das erste Shirt sind hier alle einig, dass es auch erstmal einfarbig gedruckt sein darf. Andy ist sofort beim großen Paket – sein Ego fragt innerlich eigentlich, warum nicht direkt 500 Shirts gedruckt werden. Stefan rechnet aus, dass bei dem kleinen Paket auf ihn immer noch € 62,50 auf ihn zu kommen. Er spricht mal Tacheles mit den anderen über seine Knete und das er im Moment maximal einen Zwanni im Monat übrig hat. Unsere Vorzeigeband kommt gemeinsam auf eine Lösung: Sie nehmen das kleinere Paket, Stefan legt jeden Monat einen Zwanni in den Topf und die anderen finanzieren seinen Teil vor. Damit hat dann jeder € 62,50 im Topf und die Sache kann losgehen. Andy gab sich auch mit dem Paket zufrieden, nachdem ihn die anderen wieder auf den Boden zurückgeholt haben; beim letzen Konzert waren zwar 150 Personen da, doch hatten sie noch keine Ahnung, ob das so bleiben würde. Als Musiker kennen sie auch kleinere Konzerte mit 20-30 Zuschauern.

Eigenbedarf

Markus hat allerdings noch einen wichtigen Punkt, der ihm in der letzen Woche durch den Kopf ging. Je länger er sich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr hatte er Bock auf die Idee und konnte es dann nicht mehr erwarten die Shirts zu sehen und eines davon zu haben. Dann meldete sich jedoch die eine Stimme in ihm und sagte: “Wenn jeder von uns ein Shirt haben will, dann sind schon 4 Shirts weg und wir haben von 50 nur noch 46 übrig. Meine Freundin will auch sicher sofort eines haben und die von Daniel auch. Dann kommen noch andere ähnliche Fälle hinzu und auf die Art haben wir dann ruck zuck nur noch 40 oder weniger Shirts zum verkaufen. So bekommen wir zwar Shirts unter die Menge, doch für die Bandkasse ist das Käse.”

Die Überlegung brachte die Jungs recht früh dazu, dass sie über einen Preis nachdenken. Sie einigten sich recht schnell auf € 15.- als regulären Verkaufspreis, da sie die Dinger nicht verramschen wollen. Allerdings soll der Preis auch nicht so hoch sein, dass die Leute die Shirts liegen lassen und sich statt dessen lieber eines einer großen Band holen. Ihnen war klar, dass jedes getragene Shirt erstmal Werbung für die Band ist. Sie einigten sich auch darauf, dass im Freundeskreis ein Shirt für einen Zehner über den Tisch gehen soll und wenn einer eines verschenken will, derjenige den Zehner in die Bandkasse legt.

Die anschließende Probe lief super und man konnte ein bisschen spüren, dass sich ein Rockspirit unter den Jungs an dem Tag breit gemacht hat. Zur nächsten Woche wollten dann alle Ideen zum Design sammeln…

Fazit

  • Sprecht darüber, was finanziell für euch möglich ist. Wilde Ideen, die einige nur schwer stemmen können, belasten schnell den Bandfrieden. Überlegt euch durchführbare Alternativen für alle.
  • Holt nicht zu viele Shirts auf einen Schlag und bestellt lieber nach. Bei vielen Druckereien könnt ihr innerhalb einer Frist von 4-8 Wochen ohne Aufschläge nachbestellen
  • Denkt an den Werbeeffekt und erst an zweiter Stelle an die Gewinne. Wenn euch keiner kennt, verkauft ihr auch keine Shirts. Verkauft ihr keine Shirts, macht ihr auch keine Gewinne.
  • Macht euch eure Rechnungen nicht mit Eigenverbraucht kaputt. Die Shirts sind für die Fans, auch wenn jeder natürlich ein eigenes Shirt seiner Band haben möchte.
  • Überlegt euch vorher einen Preis für euren Freundeskreis. Diese Leute sind zuerst einmal eure Freunde und danach erst eure Fans. Stoßt sie nicht mit vollen Preisen vor den Kopf, denn sie sind erstmal eure treusten Fans. Auf der anderen Seite müsst ihr die Shirts auch bezahlen; bei T-Shirts fahrt ihr da in der Regel mit einem Zehner recht gut.

Das war es soweit erstmal für den ersten Teil. Der T-Shirt Workshop geht in den folgenden Teilen nach und nach mehr zur Sache. Ich hoffe ihr hattet Spaß dran und ich sage bis bald – Paddy.

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